"Mein Auslandssemester war bisher die schönste und spannendste Zeit meines Lebens"

Eckdaten

Name: Phillip Niechotz
Universität: University of California Riverside, Riverside, USA
Zeitpunkt: Wintersemester 2017/2018
Dauer: 3-4 Monate

Wie ist die Entscheidung für diese Partneruniversität gefallen?

Ich war vorher schon öfter zum Urlaub in Kalifornien und wollte sehen, wie es ist dort zu leben und zu studieren. Vor allem die Größe der Unis im Unterschied zur FH war ein ausschlaggebender Punkt, dort zu studieren und ein etwas anderes System kennenzulernen.

Vorbereitungen für ein Visum

Das Visum beantragt man ganz normal über die Seite der amerikanischen Botschaft (findet man auf Google). Ich habe es zwei Monate vor meinem Abflug in die USA beantragt und die Zeit war vollkommen ausreichend. Allerdings muss man beachten, dass man nach Berlin muss und wenn dann der Termin vielleicht mitten in der Klausurenphase der FH Wedel liegt kann das stressig sein. Nach dem Botschaftstermin bekommt man ca.1 Woche später seinen Reisepass zurück. Zwischen Online-Beantragung und Botschaftstermin lag bei mir ca. 1 Monat. Bei der Botschaft werden einem dann Standardfragen gestellt, wie z.B. warum man auf die Uni will und was man studiert und für wie lange usw. Also keine Angst davor. Aber wichtig: Keine Taschen dürfen mit reingenommen werden, es gibt keine Schließfächer. Das musste ich schmerzhaft feststellen und meine Tasche einen Block weiter außerhalb der Sichtweite in den Büschen verstecken. Wirklich nur die Dokumente mitnehmen die man braucht.
Die Kosten für das Visum lagen bei ca. 360 $

Vorbereitungen für Flug und Unterkunft

Meine Flüge habe ich relativ spontan buchen können, da mein Vater bei der Lufthansa arbeitet, da kann ich leider keine richtigen Tipps geben.


Zur Unterkunft:
Ich bin im International Village (IV) untergekommen, was bei mir sehr knapp geworden ist, da ich mich relativ spät darum gekümmert habe. Man sollte sich schon 3-4 Monate darum kümmern (Bei mir war es ca. 1 Monat). Die Unterkunft selbst war OK. Das IV liegt gegenüber vom Extension Center wo die meisten Kurse sind. Zum Main Campus sind es so 15 min zu Fuß, je nachdem, in welches Gebäude man muss.
Man kann ein Zimmer mit roommate haben, oder alleine, oder ein ganzes Apartment für sich. Ich hatte erstere Variante welche mit 27 $ pro Nacht schon sehr teuer ist. Man kommt also auf ca. 830 $ pro Monat. Es gibt dort einen Gaming Room mit Billard Tischen und Fernseher und es gibt mehrere Lernräume, falls man nicht in seinem Zimmer oder der Bib lernen möchte. Leider ist das IV nicht im besten Zustand und die Türen der Gebäude gehen öfter nicht auf.
Es gibt noch andere Apartment-Anlagen in fußläufiger Reichweite, wie das Sterling Highlander, dort muss man sich, glaube ich, noch eher drum kümmern, da die normalerweise nur für länger die Zimmer vergeben. Kostet auch etwas mehr, dafür gibt es einen Pool in der Anlage, man hat sein eigenes Zimmer und dort sind die meisten Partys.

Bewerbung und ggfs. Erasmus+ Förderung

Nachdem ich durch die FH Wedel ausgewählt worden bin, ist die Online-Bewerbung an der UCR im Mai für das fall quarter ohne größere Probleme durchgegangen und man muss aber dann schon Gebühren bezahlen (200$). Auch für die Bewerbung beim IV sind Gebühren angefallen von ca. 200$. Das Int. Office hat beim Bewerbungsprozess auch unterstützt und bei Fragen geholfen.
Für die Bewerbung braucht man auf jeden Fall eine Bestätigung einer Bank darüber, dass man selbst oder die Eltern über genügend Geld (bei mir 11.100$) verfügen. Darum sollte man sich rechtzeitig kümmern. Manche Banken sind da etwas schwierig und es ist etwas mehr Zeitaufwand nötig.
Erasmus gibt es selbstverständlich nicht, aber es lohnt sich auf alle Fälle, Bafög zu beantragen, auch wenn man sonst nicht gefördert wird.
Beim Bafög kann neben dem normalen Satz auch ein ziemlicher hoher Betrag an Studiengebühren erstattet werden (ohne Rückzahlung für diesen Teil).
Das macht das Auslandssemester auch für nicht ganz so Wohlhabende Interessant und hat es für mich auf jeden Fall bezahlbar gemacht.

Kurswahl und Klausuren

Meine Kurswahl sah wie folgt aus:

Financial Accounting and Reporting (Campus-Kurs):
Ein guter Kurs, wenn man sich für Rechnungswesen interessiert und die "US-Version" kennenlernen möchte. Der Prof war manchmal etwas mit der Technik überfordert. Es musste aber ein Buch und eine App gekauft werden, was ca. 150$ gekostet hat. Es war ein Campus-Kurs und in Vorlesung und Übung aufgeteilt. Die Vorlesung war in einem Kinosaal mit ca. 200 Studenten und die Übungen in Gruppen von 20-30 Studenten. Ich konnte durch den Kurs ein paar US-Studenten kennenlernen und mich mit denen anfreunden.
Es gab mehrere kleine Tests in den Übungen, einen midterm und das final exam am Ende. Alles in allem gut schaffbar wenn man etwas Ahnung von Accounting hat.

Marketing You:
Ein guter Kurs, wenn man sich für seine Karriere vorbereiten möchte und das freie Sprechen vor anderen üben möchte. Es ist also mehr ein Soft-Skill Kurs und gut für die Karriere und einen selbst. Die Dozentin ist sehr motiviert und man kommt gut mit ihr aus. Die Note setzt sich hauptsächlich aus abzugebenden Hausaufgaben und der Beteiligung im Unterricht zusammen. Man sollte aber aufpassen, dass die Dozentin am Ende auch alles eingetragen hat.
Der Kurs war im Extension Center mit ca. 30 anderen Internationals.

International Marketing:
Auch ein guter Kurs mit interessanten Inhalten und einem guten Dozenten aus der Praxis. Es gibt hier auch Midterm und Final-Exam genauso wie zwei Gruppenpräsentationen woraus sich die Note zusammensetzt.
Der Kurs war im Extension Center mit ca. 30 anderen Internationals.

Human Resources Management:
Dieser Kurs hat mir nicht so gut gefallen. Er war auch im Extension Center mit anderen Internationals aber hauptsächlich US-Studenten die diesen Kurs neben dem Beruf besuchen, insgesamt waren wir ca. 15 Studenten.
Es geht sehr viel um HRM in den USA und Gesetze dort, daher nicht besonders interessant, wenn man nicht plant, dort zu arbeiten. Bei den wenigsten Credits hat der Kurs mich am meisten Arbeit gekostet. Man musste jede Woche ein Kapitel im Buch lesen und dazu einen aktuellen Artikel raussuchen, zusammenfassen und beim nächsten Mal kurz vorstellen können. Außerdem gabs mehrere Quizzes und insgesamt drei Präsentationen (2 alleine und 1 in der Gruppe).

Die Kurswahl war relativ einfach. Im Vorfeld konnte man sich die Kurse vom Extension Center und die Campus-Kurse in einem Katalog anschauen und sich diejenigen heraussuchen, die man interessant findet. Welche dann tatsächlich stattfinden, sieht man online so 1 - 2 Monate vorher. Die Campus-Kurse sind für die normal zahlenden UCR Studenten und eher weniger für uns. Trotz allem kann man sich für 2 Kurse vorab registrieren und erfährt dann am zweiten Tag vor Ort, welcher von den beiden für einen reserviert ist und kann den dann annehmen. Man kann sich in den Tagen darauf für weitere Campus Kurse einschreiben bzw. muss dann mit den entsprechenden Dozenten sprechen, ob man am Kurs teilnehmen kann.
 
Für die Extension Kurse muss man einfach einen Zettel ausfüllen mit den Kursen, die man machen möchte. Man kann nach ein paar Tagen in seinem Studenten Portal online sehen, welche Kurse man bekommen hat.
 
Es gibt ganz viele weitere interessante Kurse zur Auswahl, z.B. International Finance und auch für Projektmanagement. Die Auswahl ist echt gut. Und natürlich gibt es noch viele weitere Campus-Kurse. Da mir das aber zu unsicher war mich da um weitere Kurse zu "bewerben" habe ich es bei 3 Extension- und einem Campus-Kurs belassen.

Alles in allem sind die Kurse gut zu meistern. Die Extension-Kurse waren alle eher wie damals in der Schule mit relativ viel mündlicher Beteiligung. Ich hatte nur Dienstag bis Donnerstag Veranstaltungen was das ganze entspannt gemacht hat. Allerdings sollte man jede Woche seine Hausaufgaben machen und eventuelle Präsentationen vorbereiten sonst kann es irgendwann doch stressig werden, da relativ viel während des Semesters gemacht werden muss und nicht am Ende.

Campusleben und Sprache

Zur Sprache: Mit Schulenglisch und dem Businessenglisch sollte man gut klarkommen. Zur Not kann man nebenbei noch einen Extra Englisch Kurs besuchen (nicht anrechenbar und Extrakosten). Es gibt allerdings auch andere Möglichkeiten sein Englisch zu verbessern, z.B. ein wöchentlicher Treff mit anderen Internationals.
Zum Campusleben: Das ist das beste am Studium dort. Man muss dafür zwar zum Main Campus, aber das ist es auf alle Fälle wert. Am Anfang des Semesters gab es die Block-Party welche wie ein kleines Festival war, mit 2 Bühnen, bekannten Bands/Rappern/DJs, Foodtrucks und vielem mehr.
Dann gab es zur Mitte des Quarters noch das Bonfire, ein Feuer mit Bühne daneben und Feuerwerk und Foodtrucks. Auch ein sehr schönes Spektakel. Sonst gab es auch immer wöchentliche Aktionen vom Main Campus und auch Extension Center, wo ich nur empfehlen kann alles mitzunehmen, was geht. Man kann viele nette Leute kennenlernen und viel Spaß haben.
Das beste am Campus war das Recreation Center, also das Fitness Center der UCR mit Tennisplätzen, Pool, Jaccuzi, Basketballplätzen, Squashplätzen und natürlich auch einem Gym. Das Einzige was gefehlt hat war eine Sauna, die man aber wahrscheinlich eh wenig genutzt hätte bei den Temperaturen. Für 5$ am Tag ist das eine gute Alternative zum kleinen Gym im IV. Sportkurse gibt es da auch für um die 80$. Ich habe z.B. einen Tenniskurs besucht welcher sehr viel Spaß gebracht hat. (An den Tagen muss man dann keinen extra Eintritt zahlen)

Das Leben vor Ort und Tipps

Das Leben vor Ort ist gut. Ich weiß nicht, wo ich da anfangen soll. Bei Interesse kannst du dich gerne direkt bei mir melden und ich erzähle dir, was du wissen möchtest. Nachts sollte man nicht unbedingt alleine rumlaufen Auf jeden Fall sollte man genügend Zeit und Geld für Essen und Wochenendtrips einplanen wie z.B. nach L.A., San Diego (besser als L.A.), Las Vegas, San Francisco, die National Parks, Deep Creek Hot Springs, die Berge um den Big Bear Lake, die ganzen Strände von Malibu bis San Diego und vieles mehr. Kalifornien und die umliegenden Bundesstaaten haben eine Menge zu bieten. Am besten, man hat die ganze Zeit über ein Auto, um alles zu erreichen.

Fazit

Mein Auslandssemester war bisher die schönste und spannendste Zeit meines Lebens. Ich habe viele neue Freundschaften schließen können und eine Menge erlebt. Allerdings ist der Zeitraum sehr, sehr kurz. Nach ca. 2 Monaten hatte ich so langsam das Gefühl angekommen zu sein und dann war es auch schon fast wieder vorbei. Könnte gerne länger sein.
Man sollte insgesamt (mit Reisen vorher und nachher und zwischendrin) ca. 15.000€ einplanen. Sonst macht es keinen Spaß.

Sonstiges

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