Eine große Bereicherung für mich!

Eckdaten

Name: Eray Kaplan
Universität: Universidad de Desarrollo, Santiago de Chile, Chile
Zeitpunkt: Wintersemester 2017/2018
Dauer: 5 Monate

Wie ist die Entscheidung für diese Partneruniversität gefallen?

Südamerika war einer der wenigen Kontinente, welche ich noch nicht bereist hatte. Chile selbst war für mich bis zur Abreise ein Land, über das ich nicht viel wusste - außer dass der chilenische Wein im Supermarkt eine gute Wahl war. Da ich überhaupt keine Vorstellung hatte, was mich dort erwartet und ich bereit war, in die unbekannte Ferne zu reisen, war ich gewillt, mich auf dieses große Abenteuer einzulassen.

Vorbereitungen für ein Visum

Für das Land Chile ist ein Studentenvisum erforderlich. Sobald euch eine Bestätigung der Partneruni vorliegt, sollte das Visum zeitnah beantragt werden. Hierzu müsst ihr alle erforderlichen Unterlagen (Antragsformular, biometrisches Passfoto etc., nachzulesen auf der Homepage des chilenischen Generalkonsulats in Hamburg) fristgerecht einreichen. Die Bearbeitungszeit beträgt mindestens vier Wochen. Anschließend wird euch ein Termin zugewiesen, an dem ihr persönlich mit eurem Reisepass im Konsulat in Hamburg erscheinen müsst, um euer Visum zu erhalten.

Vorbereitungen für Flug und Unterkunft

Der Hin- und Rückflug kostet jeweils 500 bis 600 Euro. Ich empfehle euch, den Hinflug mindestens drei bis vier Monate im Voraus zu buchen, um einen annehmbaren Preis zu erhalten. Den Rückflug habe ich erst während meines Auslandssemesters in Santiago gebucht. Das würde ich euch auch empfehlen! Ihr werdet während dem Semester auf sehr viele andere Reiselustige treffen, die euch mit ihren Reiseerfahrungen inspirieren. Da wäre es doch ziemlich ärgerlich den direkten Rückflug gebucht zu haben. So könnt ihr nach dem Semester noch ein wenig reisen und anschließend zurück nach Hamburg.

Es gibt eine Vielzahl an Wohnmöglichkeiten in Santiago. Die UDD schickt euch vor dem Semester eine Auswahl an Unterkünften - Studentenwohnheime, chilenische Familien, die ein freies Zimmer vermieten, Wohnungen etc. Es gibt zudem auch öffentliche Facebook-Gruppen, wo Vermieter ausschließlich Wohnraum für "Internationals" anbieten. Ich empfehle euch in den Stadtteilen Las Condes oder Providencia zu wohnen oder falls ihr zentraler wohnen möchtet, in der Nähe einer U-Bahn-Station der "roten Linie". Die monatlichen Mietkosten für ein Zimmer belaufen sich auf 300 bis 400 Euro. Ihr könnt schon von zu Hause aus eine Unterkunft organisieren, es reicht jedoch auch völlig aus, ein bis zwei Wochen vor Semesterstart nach Santiago zu kommen und vor Ort eine Unterkunft zu suchen.
Ich habe meine Unterkunft erst in Santiago organisiert. Die ersten Tage habe ich in einem Hostel verbracht. In dieser Zeit habe ich dann eine richtige Unterkunft organisiert. Von da an habe ich in einem privaten Studentenwohnheim vom SantiagoExchangeNetwork (SEN) gewohnt. Das ist eine Organisation, die neben Unterkünften auch Reisen und Partys für "Internationals" anbietet. Ich habe mit zehn anderen Studenten (Chilenen, Franzosen, Amerikaner etc.) in einer Villa mit Garten und Pool in Las Condes gewohnt. Es war eine echt coole Erfahrung, mit so vielen Nationalitäten unter einem Dach zu wohnen! Als SEN-Mitglied wirst du übrigens auf coole Rooftop-Partys des W Hotels und des Sheraton Hotels eingeladen, die für Mitglieder kostenlos sind.

Bewerbung und ggfs. Erasmus+ Förderung

Das International Office der FH Wedel verteilt ein Formular, auf das ihr drei Partneruniversitäten schreibt und vor Fristablauf abgebt. Bei einer hohen Nachfrage einer Partneruni entscheidet bei der Platzvergabe eure Durchschnittsnote. Für Chile gibt es keine Erasmus+ Förderung, da sich diese finanzielle Förderung lediglich auf die europäischen Länder bezieht.

Kurswahl und Klausuren

Um auf die 30 ECTS-Punkte zu kommen, müsst ihr an der UDD 4 Kurse belegen. Ich habe mich, neben dem Spanischkurs, ausschließlich für englischsprachige Kurse entschieden. Es gibt sowohl bei englischsprachigen als auch bei spanischsprachigen Kursen eine gute Auswahl. Die meisten Kurse finden von Montag bis Donnerstag statt, so dass man meistens ein 3-Tage-Wochenende hat. Sobald die UDD euch den Anmeldelink schickt, solltet ihr zeitnah eine Entscheidung bezüglich der Kurswahl treffen. Die Plätze für einige Kurse sind nämlich begrenzt. Es gibt zudem eine Anwesenheitspflicht von 70 bis 80 Prozent, wobei jeder Dozent unterschiedlich streng damit umgeht. Jeder Kurs hat in der Regel eine Doppelstunde pro Woche, zwei Midterms pro Semester und eine Abschlusspräsentation/-klausur. Die Vorlesungen haben einen schulischen Charakter, so dass mündliche Beteiligung und Hausaufgaben üblich sind. Ich habe an der UDD folgende Kurse belegt: 

- Spanisch-Sprachkurs: Der Sprachkurs kostet 250 Euro, jedoch übernimmt die FH Wedel diese Kurs-Gebühr. Den Kurs gibt es für Beginner und Fortgeschrittene. Da ich zu Beginn des Semesters keine Vorkenntnisse hatte, habe ich den Beginner-Kurs belegt. Der Kurs hatte eine kleine Teilnehmerzahl von acht Studenten, was zum schnellen Erlernen der Sprache beitrug. Wir mussten zwei kleine Präsentationen vorbereiten und zwei schriftliche Midterms absolvieren. Am Ende des Semesters gab es eine Abschlussklausur. Der Kurs ist sehr empfehlenswert, da dieser eine kleine, persönliche Gruppengröße hat und die Lehrerin Paola sich viel Mühe gibt.

- TechVentures: In diesem Fach geht es um Startups im Technologiebereich. Die erste Midterm-Prüfung war eine Gruppenarbeit mit anschließender Präsentation. Die Aufgabe bestand darin ein Geschäftsmodell zu entwickeln und die Umsetzung unserer Idee zu erklären. Die zweite Prüfung war eine individuelle Präsentation mit einem selbst gewählten Thema aus dem Tech-Bereich mit anschließender offener Fragerunde. Die Gruppengröße belief sich auf ca. 20 Personen. Der Dozent ist selbst Entrepreneur und berichtet viel von seinen eigenen Erfahrungen. Diesen Kurs kann ich auch empfehlen.

- Cross Cultural Management: Hier geht es um das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen in der Geschäftswelt. Was ist ein Global Manager? Wie leitet man ein multikulturelles Team? Um diese und viele weitere Fragestellungen geht es in diesem interessanten Fach. Auch hier gibt es zwei Midterm-Klausuren und eine Abschlussklausur. Dieses Fach ist thematisch sehr spannend, aber aufgrund der Dozentin nicht zwingend weiter zu empfehlen.

- Brand Leadership: Dieses Marketing-Fach konzentriert sich auf die Markenführung. Wie baut man eine neue erfolgreiche Marke auf? Was ist Markenidentität? In diesem Fach bestehen die beiden Midterms aus Gruppenarbeiten und die Abschlussklausur aus einer fünfseitigen Ausarbeitung zu einem mit dem Dozenten abgestimmten Thema mit anschließender offener Diskussionsrunde. Der Dozent gestaltet die Veranstaltung sehr spannend und berichtet auch viel von eigenen Erfahrungen in der Marketing-Branche - somit auch sehr zu empfehlen!

 

Campusleben und Sprache

Der Großteil der chilenischen Bevölkerung spricht kein Englisch. Daher ist es manchmal etwas schwer sich zu verständigen, wenn man mal alleine unterwegs ist und die spanische Sprache nicht beherrscht. Es gab jedoch für jede Situation mit Sprachbarrieren eine Lösung, beispielsweise Google-Translate. Auf dem Campus können die meisten Englisch sprechen.

Der Campus ist sehr groß und bietet eine große Breite an Freizeitaktivitäten an. Es gibt ein Fitnessstudio und einen Fußballplatz. Das Angebot an Sport-Kursen ist sehr groß. Ich habe regelmäßig am Schwimmtraining teilgenommen, welches in einer Schwimmhalle neben dem Campus stattgefunden hat.

Das Leben vor Ort und Tipps

Santiago ist eine Stadt mit sieben Millionen Einwohnern, am Fuße der Anden. Das Leben in Santiago ist sehr schön, jedoch auch recht teuer für ein südamerikanisches Land. Die Lebensmittelpreise sind etwas teurer als in Deutschland. Die Mieten sind vergleichbar mit Hamburg. Trotz alldem ist Santiago ein wunderbarer Ort, um sein Auslandssemester dort zu verbringen. Auch als Ausgangspunkt für Reisen in die Nachbarländer ist Santiago geografisch sehr gut gelegen.
Ich bin selbst sehr viel gereist. So war ich kurz vor dem Semesterstart in Peru. Dort habe ich mir Lima, Cuzco und die Inkastadt Machu Picchu angeguckt. Während des Semesters war ich zusammen mit Freunden von der Uni in der Atacama Wüste im Norden von Chile und der Salzwüste Salar de Uyuni in Bolivien. Zu einem späteren Zeitpunkt sind wir nach Brasilien geflogen, um uns die Iguazu Wasserfälle anzuschauen - mit kurzen Abstechern nach Paraguay und Argentinien. Alle diese Reiseziele kann ich euch sehr empfehlen.

Fazit

Mein Auslandsaufenthalt stellt eine große Bereicherung für mich dar. Ich kann euch ohne Bedenken die Universidad del Desarrollo als Partneruni empfehlen. Wenn ihr Lust habt, eine große, exklusive Uni kennen zu lernen und Spaß am Reisen mitbringt, ist die UDD perfekt für euch geeignet.