Alumnus im Fokus

Torben Mallwitz, CTO von guenstiger.de (Abschluss 2007)

Wir haben Torben Mallwitz im November am Rande der Entwicklerkonferenz code.talks in Hamburg getroffen. Er hat Medieninformatik an der FH Wedel studiert und ist heute CTO von guenstiger.de 

Wie bist du an die FH Wedel gekommen – und was ist dir aus dem Studium besonders im Gedächtnis geblieben? 

Nach Abitur und Zivildienst wollte ich Informatik mit Medien-Schwerpunkt studieren. Die Plätze waren damals rar, viele Zusagen hatte ich nicht. Ich hatte mich eigentlich schon innerlich mit Clausthal-Zellerfeld abgefunden, als plötzlich der Anruf aus Wedel kam: Warteliste nachgerückt, 24 Stunden Bedenkzeit – zwei Wochen vor Semesterbeginn und ohne Wohnung. Ich habe zugesagt. 

Die ersten zwei Wochen habe ich bei Verwandten in Bergedorf gewohnt, danach bin ich in den „Tower“ gezogen. Dort lebten viele FHler und PTler – es war teilweise wie eine große WG und hat das Studium sehr geprägt. 2007 habe ich nach rund 13 Semestern mein Diplom in Medieninformatik gemacht – als einer der letzten vor der Umstellung auf Bachelor/Master. Parallel zum Studium habe ich ab dem dritten Semester 20 Stunden pro Woche gearbeitet und unter anderem an der Software „Preispiraten“ mitentwickelt. 

Wie sieht deine Rolle als CTO bei guenstiger.de heute aus? 

Ich bin direkt nach dem Studium als Softwareentwickler bei guenstiger.de eingestiegen und bin dem Unternehmen seitdem treu geblieben – trotz einiger großer Veränderungen, Eigentümerwechsel und Neuaufstellungen. Heute verantworte ich als CTO insbesondere die Koordination unserer Teams in Hamburg und Indien sowie die technologische Weiterentwicklung unserer Plattform. 

Da guenstiger.de ein sehr technisches Unternehmen ist, hat Technologie immer unmittelbaren Einfluss auf das Business. Ein großer Teil meiner Arbeit besteht darin, Projekte zu priorisieren, zu planen und Technik und Business zusammenzubringen – manchmal verbringe ich fast mehr Zeit in Business-Runden als im Code. 

Was würdest du heutigen Studierenden bzw. Alumni empfehlen, die eine CTO-Laufbahn anstreben? 

Wer CTO werden möchte, braucht den Blick von oben auf Projekte. Du musst nicht jedes Detail kennen, aber du solltest in kurzer Zeit 80 % eines Themas verstehen können, um es einordnen zu können. Spezialistinnen und Spezialisten im Team kümmern sich dann um die letzten 20 %. 

Genauso wichtig ist Delegation: Wenn du alles selbst machen willst, skalierst du nicht – im Gegenteil, du wirst zur Bremse. Und unterschätze nicht das People Management: Teamstrukturen, persönliche Themen und Konflikte nehmen viel mehr Raum ein, als man am Anfang denkt. 

Wie bleibt man deiner Meinung nach in der IT langfristig erfolgreich – auch mit Blick auf KI? 

Ein ITler hört nie auf zu lernen. Neue Technologien, Konzepte und Trends begleiten uns ständig. Es hilft, wenn man sich auch privat aus Interesse damit beschäftigt. 

KI wird dabei eine zentrale Rolle spielen. Man sollte verstehen, wie sie funktioniert, wofür sie sich eignet und wo ihre Grenzen liegen. Vor allem aber sollte man sie im Alltag nutzen – nur dann erkennt man ihre Stärken und Schwächen wirklich und kann sie später auch Menschen außerhalb der IT sinnvoll erklären. 

Und wo siehst du dich in zehn Jahren? 

Ich weiß nicht genau, welchen Titel ich dann tragen werde. Aber ich weiß, wie ich arbeiten möchte: in einem innovativen Umfeld mit Menschen, die etwas bewegen wollen. Sehr wahrscheinlich weiterhin bei guenstiger.de, denn wir haben ein spannendes technisches Fundament, viele datengetriebene Herausforderungen und ein großartiges Team. 

Und ganz ehrlich: Ich hoffe, dass KI mir bis dahin noch mehr langweilige Aufgaben abnimmt, ich nur halb so viele Meetings habe wie heute – und trotzdem noch weiß, wie die aktuellen Frontend-Frameworks heißen. 

Vielen Dank, Torben, für dieses Interview!