"Die Anwendung des vermittelten Wissens auf ein bestimmtes Thema hat mir persönlich am besten gefallen"

Eckdaten

Name: Janine Schlegel
Universität: Vysoka University of Economics and Management Prague, Prag, Tschechien
Zeitpunkt: Wintersemester 2017/2018
Dauer: 5 Monate

Wie ist die Entscheidung für diese Partneruniversität gefallen?

Aufgrund des Kurskatalogs und der Nähe zu Deutschland

Vorbereitungen für ein Visum

Keine

Vorbereitungen für Flug und Unterkunft

Unterkunft
Die Wohnmöglichkeiten sind vielzählig und je nach eigenen Haltung und Geldbeutel wählbar. Ich habe mich über die Website der VSEM (https://en.vsem.cz/accommodation-in-prague.html) für das Wohnheim Rooms5 in der Nähe der Universität entschieden. Da ich für mich ein Doppelzimmer allein gemietet habe beliefen sich die monatlichen Kosten auf rund 450 € all inclusive (WLAN, Strom, Wasser). Im Rooms 5 (http://www.rooms5.com/en/) sind vorwiegend Studenten aus aller Welt untergebracht die meisten zu zweit in einem Zimmer das sich einer abgeschlossenen Wohnung befindet mit noch einem weiteren Doppelzimmer einer Pantryküche, Bad mit Dusche oder Wanne und einem zusätzlichem WC. Das Wohnen im Rooms 5 war sehr angenehm, da alles zu Fuß erreichbar war. Das Einkaufen von Lebensmitteln geht bei Kaufland, Lidl oder Tesco Markt. Meine ERASMUS-Mitstudenten waren in WG-Zimmern oder staatlichen Wohnheimen untergebracht, die teilweise um einiges günstiger waren aber immer einen weiteren Weg zur Universität mit sich brachten, da diese mehr in Zentrumsnähe lagen.
Anreise
Die Anreisemöglichkeiten sind je nach Bevorzugung und Geldbeutel buchbar. Ich bin zu Semesterbeginn nach Prag geflogen, da es günstige Flüge von Hamburg nach Prag schon für ca. 55 € gab, wobei noch Zusatzkosten anfielen für Gepäck oder mehr Beinfreiheit. Andere Kommilitonen sind mit dem Bus angereist wobei die Fahrzeiten stark voneinander abwichen.

Bewerbung und ggfs. Erasmus+ Förderung

Ist alles über das International Office gelaufen.

Kurswahl und Klausuren

Studienprogramm allgemein
Das Studium an der VSEM läuft ganz anders ab als an der FH Wedel. Die Kurse werden im Block unterrichtet und es gibt nicht mehr als 5-6 Veranstaltungen pro Kurs. Bei einer Anzahl von 6 Fächern war ich ein- bis dreimal die Woche in der Uni, die Vormittagskurse begannen um 9 Uhr und endeten um 12 Uhr und die Nachmittagskurse gingen meist von 13 bis 16 Uhr.
Die VSEM hat alle ERASMUS Studenten mit einer Willkommens-Veranstaltung begrüßt und so die Möglichkeit gegeben zum Kennenlernen und um die formalen Anliegen zu klären. Für unsere Gruppe, die aus sechs Deutschen, zwei Polen, zwei Spaniern und einem Italiener bestand, wurde eine tschechische Studentin zur Betreuung gestellt, die anschließend den Kauf der Metro Monatskarten koordinierte und mit uns eine Stadtführung durchführte. Eine direkte Ansprechpartnerin, die ERASMUS Koordinatorin, war auch vor Ort und hat alle Formalitäten für uns übernommen. Die Kommunikation und Verständigung war sehr gut koordiniert, freundlich und Fragen wurden unverzüglich über E-Mail oder im direktem Gespräch beantwortet.
Die VSEM ist eine kleine Universität in einem modernen Gebäudekomplex mit einem eigenen Fitnessraum sowie einem Studentenclub der unserer FH Wedel Cafeteria ähnelt - nur mit Automaten für Getränke und Essen. Auf der Rückseite des VSEM-Gebäudes befindet sich die Mensa, die ich nie genutzt habe, da ich mir meist ein Sandwich gekauft habe.
 

Vorlesungen/Seminare
Advertising and Media Campaigns:
In dieser Vorlesung werden verschiedene Grundlagen der Werbung angesprochen und vermittelt. Diese Analysen sollen anschließend auf eine selbst gewählte Marke angewendet werden und vor den Studenten der Vorlesung präsentiert werden.
Marketing of Web Innovation:
Bei dieser Veranstaltung liegt der Schwerpunkt auf Innovation und mit Hilfe des Dozenten soll im Verlauf der Vorlesung eine Eigene Webinnovation entwickelt werden. Der Dozent hat eine gewohnheitsbedürftige Art und Weise, seine Vorlesungen zu halten, aber er registriert interessierte und arbeitsintensive Vorbereitungen auf die wöchentliche Vorlesung. Die wöchentlichen Aufgabenlösungen werden in der Vorlesung besprochen und weiter entwickelt bis zur Schlussveranstaltung wo eine Präsentation der eigens entwickelten Webinnovation abgehalten wurde.
Marketing:
Die Marketing-Vorlesungen ähnelten stark den „Marketing of Web Innovation“-Vorlesungen da diese von demselben Dozenten gehalten wird. Der Schwerpunkt liegt hier mehr auf der Vermarktung von Produkten und der Erschließung neuer Unternehmensideen. Auch hier wird wöchentlich ein selbstgewähltes Thema weiterentwickelt und zum Abschluss präsentiert. Für die Recherche wird von der Universität ein persönlicher Onlinezugang beantragt und ist dann für ein Jahr nutzbar. Damit wurde die Ausarbeitung mit Hilfe von wissenschaftlichen Papers sehr erleichtert.
Business Economy:
In diesem Fach werden Grundlagen der BWL vermittelt. Die einfachsten Dinge aus den Vorlesungen Allgemeine BWL und KLR werden hier gelehrt. Der Dozent hält eine Vorlesung mit anschließender Klausur.
Management:
Die Vorlesung befasst sich mit den Grundlagen des Managements sowie den besten Skills von Managern. Die Vorlesungen werden aufgelockert durch kleine Gruppenübungen zu Mangerproblemen. Zum Abschluss wurden in kleinen Gruppen Präsentationen gehalten über bekannte und erfolgreiche Manager.
Human Resources:
Diese Vorlesung wird von einem gebürtigen Amerikaner gehalten und war für mich sehr gewöhnungsbedürftig. Auf seine laute, schnelle amerikanische Sprechweise musste ich mich erst einhören und seine aus Kopien bestehende Vorlesung war meines Erachtens nicht dem heutigen Standard entsprechend. Die wichtigen Themen zu Human Resources wurden von ihm referiert und mussten dann mitgeschrieben werden, was Schwierigkeiten mit sich brachte, da er schnell redete.
Czech for Beginners:
Die einzige Vorlesung, die von einer Dozentin gehalten wurde, die auch Business English unterrichtet. Da Tschechisch eine schwere Aussprache hat, aber viele Worte dem Deutschen ähneln, war der Schwierigkeitsgrad nicht hoch. Die Grundlagen der Sprache werden auf das Notwendigste beschränkt und die Dozentin hat eine angenehme Art, die Sprache zu vermitteln. Am Ende der Vorlesung konnte ich mich selbst in Tschechisch vorstellen.


Klausuren/Prüfungen
In dem Fach Human Resources wurden keine Midterm-Tests und kein Final Exam angesetzt, sondern die Note durch Anwesenheit, Mitarbeit und Ausarbeitung festgelegt. In Business Economy und Czech for Beginners wurde am letzen Vorlesungstermin eine Abschlussklausur durchgeführt die meines Erachtens einen leichten Erfüllungsgrad hatten. Die übrigen Fächer wurden mit einer Präsentation abgeschlossen mit anschließender Notenvergabe.

Campusleben und Sprache

Die Vysoka University of Economics and Management Prague ist eine Partnerhochschule der Fachhochschule Wedel und wird daher organisatorisch vom International Office unterstützt. Das Kursangebot unterscheidet sich je nach Semester wie an der FH Wedel. Die VSEM ist eine Universität, die sich auf Wirtschaft spezialisiert hat und daher mehr für Wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge geeignet ist. Der Kurskatalog (https://en.vsem.cz/course-catalogue.html) ist umfangreich, aber letztendlich werden die laufenden Kurse auf einige beschränkt, die erst wenige Wochen vor Beginn des Auslandssemesters feststehen. Durch das Erreichen von 30 ECTS-Punkten und die Bedingung des International Office, keine schon belegten Kurse zu wählen, blieb mir keine Wahl, sondern eher eine Pflicht, alle angebotenen Kurse zu belegen. Die VSEM unterrichtet in Trimestern, das heißt ein Wintersemester geht von September bis Dezember.
Die Tschechische Republik gehört der Europäischen Union an und das macht den Aufenthalt um einiges leichter. Es muss kein Visum beantragt werden, mit der üblichen gesetzlichen Krankenversicherungskarte und einer zusätzlichen Auslandsversicherung war für mich die Vorbereitung auf das Auslandssemester abgeschlossen. Natürlich müssen die Konditionen mit der entsprechenden Versicherung abgesprochen werden.
 

Campusleben
Die VSEM hat nicht wirklich ein Campusleben. Trotz rund 3000 Studenten kommt einem das Gebäude recht verlassen vor. Die Universität besteht aus nur einem Gebäude, welches von außen an ein Bürohaus erinnert. Es ist ein Neubau außerhalb der Stadt, mit einer modernen Ausstatung wie zum Beispiel einem Fitnessraum. Die Universität ist zu Fuß ca. 10 min vom Rooms 5 entfernt und so konnte auch der Fitnessraum zusätzlich außerhalb der Vorlesungen öfters genutzt werden. Mit der gelben Metro (Station Hurka, Linie B) ist die Uni aus dem Stadtzentrum in 30 Minuten und einem zusätzlichen Fußweg von knapp 10 Minuten sehr gut zu erreichen. Die Mittagspause kann im Studenten Club abgehalten werden wo auch viele interessante Gespräche mit anderen ERASMUS Studenten möglich sind.

Das Leben vor Ort und Tipps

Studienort und Umgebung
Die Stadt Prag ist ein beliebtes Ziel für Kursreisen und deshalb sehr dem Tourismus angepasst. Im Zentrum kann man sich teilweise auf Deutsch oder Englisch verständigen und sich so ohne Sprachbarriere zurechtfinden. Im Randbezirk ist es schwieriger, denn da nicht jeder Tscheche Englisch spricht, muss man sich nonverbal verständigen. In Prag gibt es viele schöne Besichtigungsmöglichkeiten, die die viele Freizeit füllen können. Die Preise für Kleidung und Konsumgüter entsprechen dem Deutschen Standardpreis, aber das Essengehen ist günstiger und auch sehr lecker.
 

Zahlungsverkehr
Die Tschechen haben noch keinen Euro und daher sollte Geld möglichst über Kreditkarte an den Automaten abgehoben werden. Für einen Euro bekommt man umgerechnet ca. 24 CZK Tschechische Kronen, die Bezahlung ist fast überall mit Karte möglich. Die Lebensunterhaltungskosten sind etwas geringer als in Deutschland, denn die tschechischen Lebensmittel sind günstig, wobei es auch viele deutsche Produkte gibt, die aber mehr kosten.
 

Internet/Telekommunikation
WLAN ist in der Universität frei zugänglich, aber einige Seiten sind von Haus aus gesperrt. Im Wohnheim war eine gute Verbindung vorhanden. Seit Juni 2017 ist das Telefonieren und Surfen im EU-Ausland „kostenfrei“, das heißt, es fallen keine zusätzlichen Kosten an, nur die normalen nach deutschen Handyvertrag. Bei Vielnutzern sollte trotzdem eine vorherige Absprache mit dem Provider stattfinden. In der Stadt findet man in den meisten Kaufhäusern oder Restaurants freies WLAN. Die Kommunikation mit Zuhause ist ohne Probleme über Skype, Facebook oder WhatsApp möglich.
 

Transport
In Prag gibt es drei Metrolinien sowie diverse Trams und Busse. Die 24-Stunden-Karte kostet 100 Kronen, ca. 4 Euro. Die Monatskarte wurde in der Vorbereitungswoche mit Hilfe der Uni gekauft und kostete ca. 30 Euro. Aber an fast jeder Haltestelle befinden sich Automaten, wo für die jeweilige Nutzungsdauer Karten gekauft werden können. Die Metro fährt von 4 Uhr morgens bis 1 Uhr abends, in der Nacht sind immer die Nachttrams unterwegs.
 

Freizeit, Party, Sport, Kultur
Die Angebote sind reichlich. Je nach Fasson kann man allein oder in einer Gruppe seine Freizeit gestalten. Im Fitnessraum kann jeder individuell Sport treiben aber in Absprache mit anderen Erasmus-Studenten ist auch Fußball möglich. Prag hat jede Menge Museen, Theater oder Opern. Die nationale Sportart ist das Eishockey, was auf jeden Fall einen Stadionbesuch wert ist. Im Zentrum gibt es viele Partyangebote extra für Erasmus Studenten mit erschwinglichen Preisen für Bier und andere Getränke.

Fazit

Das Auslandsemester war für mich eine Bestätigung, dass wir in Deutschland sehr gut leben und viele Dinge sehr selbstverständlich hinnehmen. Die Tschechische Republik ist ein modernes Industrieland und in einigen Dingen schon weiter, so wie dem bargeldlosen Bezahlen aber an vielen Ecken fehlt es dann doch, an der Sauberkeit zum Beispiel. Die viele Freizeit habe ich zum Entdecken der Umgebung sowie des Zentrums von Prag genutzt.  In den vielen Shoppingcentern in Prag kann man jeden Tag, auch sonntags, immer einen guten Kaffee trinken gehen. Durch den Blockunterricht war für mich auch die Möglichkeit gegeben, nach Hause zu fliegen - und das für drei bis fünf Tage. Um die englische Sprache zu verbessern, ist die tschechische Republik nicht geeignet, da ein Großteil der Bevölkerung nicht Englisch spricht. Durch die Unterrichtung in Trimestern auf der VSEM ist der Aufenthalt auf drei Monate beschränkt und ich kann noch die volle Klausurphase der FH Wedel absolvieren. Alles in allen war das Auslandssemester eine gute Möglichkeit, sehr gute Leistungen zu erbringen und meine Analysefähigkeiten zu schulen. Das Eigenstudium mit Anwendung des vermittelten Wissens auf ein bestimmtes Thema hat mir persönlich am besten gefallen.