"Ich hatte eine einmalige Zeit in China und bin froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe"

Eckdaten

Name: Greta Lammers
Universität: Fudan University, Shanghai, China
Zeitpunkt: Wintersemester 2019/2020
Dauer: 4 Monate

Wie ist die Entscheidung für diese Partneruniversität gefallen?

Da ich eine neue Kultur kennenlernen wollte, war meine Entscheidung nach China zu gehen schnell gefallen. Ich habe mich für die Fudan University entschieden, da sie ein sehr hohes Ansehen in China hat, zu den drei besten Universitäten des Landes gehört und auch global zu den 50 besten Bildungsstätten im Bereich der Wirtschaftswissenschaften zählt, was dazu führt, dass es insgesamt jährlich ca. 3.000 internationale Studenten an die Fudan zieht.

Vorbereitungen für ein Visum

Man kann das Visum nach vorheriger Terminabsprache im Konsulat in Hamburg beantragen . Ich habe mich dazu entschhieden, mein Visum über den Service von 1aVisum zu beantragen. Für ein Auslandssemester kann man das kleine Studentenvisum X2 beantragen, welches für bis zu 180 Tagen gilt. Hierfür wird benötigt: der Visumsantrag, ein Reisepass, ein Passfoto, das Zulassungsschreiben der Universität (bekommt man vorab zugeschickt). Wird man selbst vorstellig, belaufen sich die Kosten für das Visum auf ca. 60 EUR. Durch die Serviceagentur und deren Dienstleistung beliefen sich die Kosten auf ca. 125 EUR. Die Bearbeitungszeit liegt bei ungefähr einer Woche, wobei auch ein Expressvisum gegen Aufpreis beantragt werden kann.

Vorbereitungen für Flug und Unterkunft

Ich habe einen Flug mit SAS gebucht, mit einem Transfer von vier Stunden in Kopenhagen. Die Kosten für Hin- und Rückflug inkl. 2 Gepäckstücke lagen bei ca. 800 EUR, wobei man mit anderen Fluggesellschaften, frühzeitigerer Buchung oder auch einer anderen Route deutlich günstigere Flüge buchen kann. Ich bin nach Pudong (PVG) geflogen, da es dort die Möglichkeit gab, von einem Studenten (deinem "Buddy"), abgeholt zu werden. Diese Möglichkeit gilt für zwei Tage der Anreise, welche vorab von der Organisation "advance" mitgeteilt wird.

Ich wurde also von einer sehr netten Studentin am Flughafen abgeholt, wo sie direkt mit mir eine chinesische SIM-Karte gekauft und aktiviert hat. Anschließend sind wir mit dem Taxi in das Studentenwohnheim Unijia gefahren. Das Studentenwohnheim konnte man ebenfalls direkt über die Organisation buchen und zwischen Einzelzimmer und Doppelzimmer wählen.

Die Kosten für das Einzelzimmer beliefen sich auf 200 RMB pro Tag, was ca. 26 EUR entspricht. Das Doppelzimmer kostet 120 RMB pro Tag (ca.16 EUR). Jedes Zimmer ist mit einem Bett (im Doppelzimmer Hochbetten), Schrank (wird im DZ geteilt), Kühlschrank, einem kleinen Duschbad und einer Waschmaschine sowie einem Schreibtisch ausgestattet. Die Kosten für das Wohnheim sind vorab zu bezahlen. Strom, Wasser und Internet wird separat vor Ort abgrechnet. Hier kann man mit Kosten von ca. 200-300 RMB/Monat rechnen. Außerdem ist eine Kaution von 4.000 RMB zu hinterlegen, welche man beim Auszug wiederbekommt, wenn das Zimmer abgenommen wurde. Das Wohnheim liegt sehr nah am Campus der Fudan und ist in 5 bis 10 Minuten fußläufig erreichbar.

Da der Campus sehr groß ist, kommt es natürlich drauf an, in welchem Gebäude der Unterricht stattfindet. Hierzu bekommt man aber in der Einführungswoche einen Lageplan, wo alle Gebäude eingezeichnet sind. Ein kleiner Supermarkt, diverse Kiosks und kleinere Restaurants sind um die Ecke. Die nächstgelegene Metrostation ist die Guoquan Rd. (Linie 10), die etwas über 1 Kilometer entfernt ist. Die Linie 10 ist sehr gut angebunden. Von der Guaquan Rd. kann man eine Station bis Wujiaochang fahren oder 20 Minuten zu Fuß gehen (oder schneller mit dem Fahrrad). Wujiaochang bietet sehr viele Einkaufsmöglichkeiten. Dort findet man alles, was man benötigt, da sich an jedem der fünf Ausgänge eine Mall befindet.

Bewerbung und ggfs. Erasmus+ Förderung

Ggf. Auslandsbafög

Kurswahl und Klausuren

Belegte Kurse:

  • Chinese Language
  • Shanghai Studies
  • Chinese Society and Culture
  • The Chinese Marketplace
  • Doing Business in China
  • Political Economy in China

Die Kursauswahl ist in dem Programm sehr begrenzt und konzentriert sich meist nur auf die chinesische Wirtschaft und Politik. Leider konnte man keine Kurse für Ingenieurwesen belegen. Alle Kurse werden auf Englisch gehalten (außer Chinese Language) und die Teilnehmerzahl liegt je nach Kurs zwischen 10 und 50 ausschließlich internationalen Studenten. Die Kurse, die ich belegt habe, waren meist Frontalunterricht. Die Prüfungsleistungen bestanden aus der Anwesenheit, die kontrolliert wurde, ein bis zwei Essays und jeweils einer Gruppenpräsentation am Ende des Semesters. In Chinese Language haben wir eine Einnzelpräsentation gehalten und hatten eine Klausur in der letzten Woche des Semesters. Zu den Prüfungsleistungen zählten auch die Hausaufgaben, die jede Stunde abgegeben werden mussten, und die Mitschriften, die am Ende kontrolliert wurden. Eine Übersicht, aus welchen Prüfungsleistungen sich die jeweilige Note zusammensetzt, bekommt man in der ersten Stunde ausgehändigt. Innerhalb der ersten zwei Wochen kann man alle Kurse besuchen und gibt anschließend noch einmal die endgültige Kurswahl im Büro vor Ort ab. Falls ihr eure ursprünglich Kurswahl ändern möchtet, muss dies mit dem International Office der FH Wedel ebenfalls abgestimmt werden. Viele organisatorischen Prozesse gestalten sich in China umständlich, formalisiert und bürokratisch.

Campusleben und Sprache

Der Campus der Fudan Universität beeindruckt durch seine Größe und riesige Grünflächen, einer überlebensgroßen Mao-Statue und das alles überragende Hauptgebäude. Ein Teil der über 30.000 Studierenden lebt auf dem weitläufigen Gelände in verschiedenen Studentenwohnheimen. Mit circa 3.000 Austauschstudierenden und 2.300 Lehrenden ist die Fudan eine der größten Universitäten Chinas und gilt als die Drittbeste des Landes. Auf dem Nordcampus, einem der vier Hauptstandorte, finden all eure Vorlesungen statt. Hier findet ihr mehrere Fakultäten, Bibliotheken, Cafés, Supermärkte, Wäschereien und vieles mehr. Außerdem sind sehr viele sportliche Freizeitaktivitäten gegeben, wie zum Beispiel Fitnessstudios und Schwimmbäder, aber auch Rugby-, Volleyball- oder Basketballfelder zur kostenfreien Nutzung. Ihr könnt einer Vielzahl an Clubs beitreten mit sportlichen, künstlerischen, sozialen oder sonstigen Interessenfeldern. Da die Kurse ausschließlich auf Englisch und meist nur für internationale Studenten sind, kommt man sehr schnell mit den Kommilitonen in Kontakt und hat dort keine Probleme mit der Sprache. Viele meiner Kommilitonen habe ich auch schon im Wohnheim kennengelernt, bevor die Kurse losgingen oder aber spätestens bei der Orientierungsveranstaltung. Da die Kurse für die Austauschstudenten sind, kommt man leider weniger in Kontakt mit den chinesischen Studenten. Für sämtliche Unternehmungen außerhalb vom Campus kommt man mit Englisch nicht weit. Ich würde einen Sprachkurs vor dem Antritt der Reise empfehlen, da nur die wenigsten Chinesen Englisch sprechen. Ca. 10 Minuten zu Fuß vom Campus entfernt ist auch ein Fitnessstudio zu finden, wobei man hier bezüglich der Vertragsdauer und des Preises verhandeln kann.

Das Leben vor Ort und Tipps

Shanghai gilt als Tor zur Volksrepublik und ist historisch bedingt die internationalste Stadt Festlandchinas. An die ersten internationalen Verknüpfungen erinnern die europäisch anmutende ehemalige französische Konzession und die prachtvollen Kolonialstilvillen britischer Handelskonsortien am Bund, von wo aus die eindrucksvolle Skyline auf der anderen Seite des Huangpu Flusses betrachtet werden kann. Hier lässt sich die Bedeutung der Stadt als größter Containerhafen der Welt und zugleich größte Metropole Chinas mit ca. 24 Millionen Einwohnern deutlich ablesen. Shanghai ist die Stadt der Superlative und Möglichkeiten. Die Moderne findet ihr in Lu Jia Zui. Hier stehen einige der höchsten Gebäude der Welt. In Jing An gibt es beispielsweise neben dem gleichnamigen Tempel zahlreiche Bars und Clubs. Xuhui bietet viele Boutiquen, Gallerien und Cafés. Das Metronetz in Shanghai ist sehr gut ausgebaut, günstig, sehr sauber und gut ausgeschildert. Neben dem Metronetz gibt es auch ein weites Busnetz, wo jede Fahrt, unabhängig von der Streckenlänge, 2 RMB kostet. Allerdings ist das Busnetz nur auf Chinesisch ausgeschildert. Nach 23 Uhr ist sowohl das Metro- als auch das Busnetz nicht mehr in Betrieb. Taxi, Rikscha oder Fahrrad sind ab dieser Zeit die einzigen verbleibenden Optionen. Ihr könnt euch ein klassisches Taxi nehmen, die ihr bei Bedarf spontan auf der Straße rufen könnt. Dies ist die teuerste Variante - vor allem nachts oder bei Regen solltet ihr darauf achten, dass ihr einen Festpreis vereinbart, was auf Chinesisch oder mit Hilfe einer Übersetzer-App mit etwas Verhandlungsgeschick durchaus möglich ist. Eine weitere, günstigere Option, einen Fahrer zu bekommen, ist die App Didi oder die Ride Hailing Funktion bei WeChatPay oder Alipay. Hier solltet ihr die Zieladresse in chinesischen Schriftzeichen parat haben. Je nach Länge der akzeptierten Wartezeit, der derzeitigen Nachfrage und des Fahrzeugtyps wird der Preis festgelegt. Die Abrechnung erfolgt transparent und der Tarif liegt deutlich unter dem Taxipreis.

In Shanghai gibt es eine ganze Reihe an Sehenswürdigkeiten, die weltweit ihres gleichen suchen. Das zweithöchste Gebäude der Welt, der Shanghai Tower bietet eine beeindruckende Sicht auf die Metropole. Von hier aus seht ihr den Bund, eine der längsten Promenaden weltweit direkt am Huangpu Fluss, das alte Yu Yuan Viertel und eine ganze Reihe von Museen und Tempeln. Außerdem könnt ihr nahegelegene Gärten und das Shanghai Disneyland besuchen. Bei der Erkundung der Stadt empfiehlt es sich, zunächst eine Attraktion per Metro anzusteuern und von dort aus zu Fuß der Nase nach durch die Straßen zu flanieren. Ihr werdet auf unzählige kleine Tempel, Cafés, Restaurants etc. stoßen, die nirgends empfohlen werden, aber durchaus sehr empfehlenswert sind. Direkt am Handan Campus der Fudan befinden sich die fünf Großmalls von Wu Jiao Chang, welche unterirdisch mit der Flaniermeile Daxue Lu (kann ich sehr empfehlen!) und der Metrostation Jiangwan Stadium durch weitere endlose Geschäftszeilen verbunden sind. Zudem bietet Shanghai ein ausgezeichnetes Nachtleben mit einer Großzahl westlicher und chinesischer Clubs aller Variationen und Größen und unzähligen Bars in der ganzen Stadt. Ausländische Studierende zahlen hier oftmals keinen Eintritt und Freigetränke sind in den beworbenen Etablissements die Regel. Wenn ihr in der Stadt oder in der Metro unterwegs seid, dürft ihr euch nicht wundern, wenn von euch Fotos gemacht werden, auch häufig ungefragt, oder wenn ihr angestarrt werdet.

Bevor ihr euren Flug nach China antretet ist es ratsam, ein VPN runterzuladen, da ihr sonst Probleme mit dem Zugriff auf deutsche oder andere internationale Internetseiten haben werdet.

Fazit

Für mich war die Entscheidung nach Shanghai zu gehen absolut richtig. Zwar sind die Studiengebühren sehr hoch und das Kursangebot leider sehr eingeschränkt, jedoch konnte ich meinen wirtschaftswissenschaftlichen Kenntnisstand um die chinesische Perspektive erweitern und einen tieferen Einblick in die chinesische Kultur gewinnen. Ein Auslandssemester in Shanghai ist ein sehr großer Schritt in Richtung Selbstständigkeit, da bekannte Strukturen fehlen und jeder proaktiv neue Lösungswege finden muss. Ich hatte eine einmalige Zeit in China und bin froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe.