Funktionsweise des World Wide Web


... [Seminar "Verteilte Systeme"] ... [Inhaltsverzeichnis] ... [weiter] ...

Abschlussbetrachtung


Konkretes Fallbeispiel

Als Zusammenfassung der vorhergehenden Kapitel soll an dieser Stelle ein kompletter Seitenabruf einschließlich aller dazu benötigten Techniken erläutert werden. Dazu möchte ein hamburger Hansenet-Kunde von seinem Rechner aus die Webseite der öffentlichen Bibliothek in New York http://www.nypl.org/ (New York Public Library) abrufen. Der in der folgenden Abbildung zu sehende Datenfluss wurde mit VisualRoute (www.visualroute.com), einer grafischen Umsetzung des Kommandozeilen-Tools traceroute, mitgeschnitten.



Um die Seite www.nypl.org abzurufen, verbindet sich der Hansenet-Kunde mit dem POP seines ISP und bekommt von diesem eine IP zugewiesen. Anschließend gibt der Kunde an seinem Rechner (A) die URL http://www.nypl.org/ in seinen Browser ein, wodurch er eine DNS-Vorwärtsabfrage an den DNS-Server von Hansenet startet. Angenommen die IP der gesuchten Bibliotheksseite ist nicht in dessen Cache vorhanden, so wird die DNS-Abfrage an einen Root-Server, z.B. den Ripe-Server in London, weitergegeben. Hierarchisch absteigend wird von hier aus die IP der gesuchten URL ermittelt und das Ergebnis letztendlich über den DNS-Server des ISP an den Hansenet-Kunden weitergegeben. Ausgerüstet mit der gerade erhaltenen IP kann Rechner (A) seine Seitenanfrage über das Netz von Hansenet und das Backbone-Netz zum DE-CIX in Frankfurt schicken.



Von dort wandert sie über ein Unterseekabel rüber nach Washington, wo eine starke Netzauslastung eine direkte Weitervermittlung nach Austin verhindert. Mit Hilfe der Routingprotokolle EGP und BGP wird die Anfrage daraufhin über New York nach Austin auf den Server mit der Seite der NYPL umgeleitet. Über das Übertragungsprotokoll http und mit dem Anforderungsbefehl GET wird die Startseite index.html von http://www.nypl.org/ auf den Rechner (A) übertragen
und in dessen Browser angezeigt.


Fazit

Das World Wide Web wird ohne Frage in den nächsten Jahren weiter wachsen und neue Nutzungsmöglichkeiten und Dienste hervorbringen. Dabei ist anzunehmen, dass die bestehenden Konzentrationspunkte wie die vier großen Internetknoten in New York, Washington, London und Paris sowie das DE-CIX vorerst weiter bestehen werden. Dies ist momentan auf den harten Wettbewerb zwischen den großen Carriern zurückzuführen, der auf Kosten der Sicherheit und Redundanz geht.
Auch die geografische Konzentration der 13 Rootserver wird sich wohl nicht so schnell ändern, da ein Großteil der Rootserver historisch bedingt in den USA steht. Jedoch bilden sich hier bereits die ersten Alternativen heraus. So gibt es seit Ende 2002 ein "Open Root Server Network", welches parallel zu den offiziellen 13 Rootservern zur Namensauflösung verwendet werden kann.

Bei der Vergabe von IP-Adressen sind ebenfalls Neuerungen zu erwarten, hier wird in den nächsten Jahren die derzeitige IP Version 4 durch die neue Version 6 abgelöst werden, da der Adressraum von IPv4 langsam knapp wird.

Auch bei den Top Level Domains bahnen sich die ersten Engpässe an, weshalb in den letzten Jahren immer wieder neue wie biz, .info oder .museum von der ICANN genehmigt wurden.
Netzintern sind ebenfalls Änderungen zu bemerken, so wird weiterhin versucht, den "Dark Adress Space" zu minimieren und zusätzlich Dokumente über URNs und den neuen Dienst URS dauerhaft zu adressieren und auffindbar zu machen.


... [Seminar "Verteilte Systeme"] ... [Inhaltsverzeichnis] ... [weiter] ...